Montag, 25. April 2016

Testtagebuch: Was taugen Fahrräder von Aldi?

 Folge I: Der Kauf
Curtis im Auslieferungszustand: Pedale müssen montiert, Lenker und Sattel
eingestellt werden 

Heute hatte Aldi Nord mal wieder Fahrräder im Angebot. Eine gute Gelegenheit, sich diesem Thema nochmals zu nähern. Denn mein vor zwei Jahren eher beiläufig formulierter Blogeintrag zu Fahrrädern von Aldi ist der mit weitem Abstand am meisten geklickte Artikel auf St-Pedali. Über Google-Suchbegriffe wie "Aldi Rad", "Aldi Bike Test" oder einfach nur "Curtis Fahrrad" landen sehr viele Rad- und Ratsuchende auf diesen Seiten. Eine Kaufberatung sowie Erfahrungsberichte zu den Aldi-Rädern sind also überfällig. Darum war ich heute bei Aldi in HH-Wilhelmsburg und habe mir ein Curtis Cityrad gekauft. Preis: 299 Euro. Werden wir Freunde werden? Oder Feinde?
299 Euro! Für ein Cityrad mit Herrenrahmen aus Alu, Siebengang-Nabenschaltung, Nabendynamo, Standlicht, V-Brakes, Federgabel, gefederter Sattelstütze - ein zweifellos bestechendes Angebot. Aber: Kann ein gutes Rad wirklich so billig sein? Was taugt das Ding im Alltag? Macht es Spaß zu fahren? Oder bereitet so ein Discount-Rad mehr Frust als Lust? Das und noch viel mehr möchte ich herausfinden.

In loser Reihenfolge werde ich vier Wochen lang über mein neues Aldi-Rad berichten. Dann will ich es zurück geben. Denn Aldi wirbt damit, dass man bei Nichtgefallen das Rad ohne Angabe von Gründen in jeder Aldi-Filiale gegen Erstattung des Kaufpreises retournieren kann. Sollte das wirklich problemlos klappen, wäre das schon mal ein Superservice und Vorteil gegenüber dem Fachhandel. Ich bin gespannt. Auch auf das Fahrgefühl und den Alltagseinsatz.

Lieferumfang: Pedale, Bedienungsanleitung, Werkzeug
Heute geht es zunächst um das Kaufprozedere: Um 19 Uhr sind nur wenige Kunden in der großen Aldi-Filiale. In der Nähe der Kassen stehen die seit heute im Prospekt beworbenen Trekking- und City-Räder - jeweils mit Damen und Herrenrahmen. Alle kosten das gleiche: 299 Euro. Da ich Schaltungsnaben mag, entscheide ich mich für das Cityrad mit Siebengang Shimano Nexus-Hinterradnabe - ein robustes und bewährtes Produkt. Als Neuteil kostet allein die Nabe mindestens 80 Euro.

Vom Herren-Cityrad ist nur ein Exemplar vorhanden. Genau schaue ich es mir an und kann keine Defekte oder Schrammen erkennen. Dann versuche ich das Hinterrad zu drehen. Das tut sich schwer und bleibt nach einer halben Umdrehung an der Bremse hängen. Klare Sache: Die hintere Alufelge ist nicht optimal zentriert und schleift an der eng eingestellten V-Brake. Kein Drama, aber wer möchte schon direkt an einem Neurad herum schrauben müssen. Darum frage ich den Verkäufer nach einem weiteren Exemplar und ernte zunächst Achselzucken; dann bittet er mich in den Lagerraum, wo noch gut sechs weitere Räder warten. Nummer zwei dreht auch nicht frei. Weiter zu Nummer drei und siehe da: Das Hinterrad läuft ohne zu schleifen. Ab damit zur Kasse. Per EC-Karte zahle ich 299 Euro und schiebe mein Discount-Fahrrad durch die Tür in den Regen.

Tipp: Das Rad vorm Kauf genau ansehen und Zentrierung der Felgen prüfen. Hier kann es Nachholbedarf geben
Die Union-Pedale drehen eher schwerfällig

Unter dem Vordach öffne ich die am Sattel befestigte Plastikhülle mit Bedienungsanleitung. Auch ein kleiner 15er Pedalschlüssel sowie zwei Inbusschlüssel liegen bei. Mit ihnen lässt sich das Rad fahrfertig machen, also Lenker ausrichten, dann Konus- und Vorbauschrauben anziehen. Anschließend Sattelhöhe anpassen, Pedale in die Kurbelarme drehen, festziehen und - fertig.

Normalerweise würde ich die Pedalgewinde fetten, um sie später leichter demontieren zu können. Aber Fett hat Aldi nicht beigelegt. Egal, das Rad ist einsatzbereit. In der Bedienungsanleitung steht zwar noch was von Tretkurbel mit Drehmomentschlüssel festziehen, aber dafür müsste man zum Fahrradhändler. Und der freut sich über so ein Aldi-Rad bestimmt riesig. Ich werde bei Gelegenheit kontrollieren, ob die Kurbeln mit den angegebenen 32,5 Newtonmeter angezogen sind.
Hersteller des Curts sind die Mifa-Werke
in Sangerhausen

Ich steige auf und trete. Das Rad rollt. Gut sogar. Ohne Geräusche und überraschend leichtfüssig fahre ich über den Aldi-Parkplatz. Es regnet immer noch. Das stört kaum, denn der erste Fahreindruck ist überraschend positiv: Das Rad macht Spaß. Zur Probe ziehe ich beide Bremshebel. Giftig packt die V-Brake trotz nasser Felgen zu. Als dritte Bremse gibt es auch noch den Rücktritt. Fast etwas zu viel des Guten, finde ich.

Mein Weg nach Hause sind nur rund 300 Meter. Wirklich viel kann ich nach der kurzen Strecke noch nicht sagen. Aber die erste Begegnung mit meinem frisch gekauften Aldi-Testrad war positiv. So darf es gerne weiter gehen. Im nächsten Schritt kriegt das Bike erstmal einen Funktacho. Auch den gab es bei Aldi; für 7,99 Euro.
Das fertig montierte Curts Cityrad vor der Aldi-Filiale. Zeitaufwand: zirka fünf Minuten
Nächste Folge: die Komponenten und Anbauteile


Kommentare:

  1. Finde ich nicht in Ordnung was Du da machst.

    1. was glaubst Du wer den Wertverlust Deines Fahrrades, wenn Du es benutzt zurückbringst zahlt? Richtig. Alle Aldi-Kunden. Vielleicht auch nur alle Aldi-Fahrradkunden. In jedem Fall nicht Du. Du profitierst auf Kosten der Allgemeinheit!

    Ich fände es fair und hätte Lust weiterzulesen, wenn Du das Fahrrad privat weiterverkaufst.

    Vielleicht hat ja sogar ein Leser Deines Blogs einen Vorteil davon den Zusammenbau und Test nicht selber machen zu müssen?

    Und wenn Du weißt, wie es besser geht, dann mach es doch bitte auch (Stichwort Pedale/Fett/Drehmoment/300m von Zuhause).

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    1. Bei Lidl kann man immer gut die Rückgabe beobachten. Letztens kam einer mit Gartenmöbeln zurück: "Ich möchte die zurückgeben" "Was stimmt denn nicht?" "Die sind Schrott". Hatte dann problemlos geklappt. Bin gespannt, was Aldi dazu sagt.

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    2. Danke für Deinen Widerspruch! Interessanter Einwand: Haben andere Aldi-(Fahrrad)-Kunden Nachteile, wenn Waren zurück gegeben werden? Ich denke ein gewisser Prozentsatz an Rückgaben/Garantiefällen wird bereits vor solchen Aktionsstart einkalkuliert. Bleibt die Rückgabequote unter der eingeplanten Größe, dürfte das eher den Gewinn von Aldi erhöhen und weniger andere Kunden schädigen. Aber tendenziell hast Du schon Recht, dass Rückgaben die Preise für künftige Aktionen treiben konnten. Ich denke nochmal über meinen Plan nach.

      Spannend finde ich eben, wie gut die Rückgabe wirklich klappt. Werden die das Rad ohne zu Murren zurück nehmen? Ich vermute schon, aber wissen tue ich es nicht. Das Eücknahme-Versprechen ist auf jeden Fall ein sehr starkes Argument für den Einkauf bei Aldi und setzt den Fachhandel beim Thema Service unter Druck.
      Und klar, ich werde die Pedalgewinde noch fetten und die Anzugsdrehmomente kontrollieren. Ich vermute, dass sie stimmen, denn mit den mitgelieferten Inbusschlüsseln waren die fraglichen Schrauben nicht zu bewegen. Also, bleibt am Ball.

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    3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Ja, die Aldi-Räder... Habe vorher mal einen Blick drauf geworfen und tatsächlich: Aldi spart im Prinzip die Händlermarge. Ein Fachhändler vor Ort hat je nach Hersteller (große Marken oder Eigenmarken der Einkaufsgenossenschaften) etwa 30% bis 40% Aufschlag. Dafür hat er eine Lagerhaltung und selbst die Räder der Eigenmarken sind immer in wenigstens drei Rahmengrößen erhältlich. Bei Aldi gibt es eine Größe und die Vormontage ist sehr mittelmäßig.

    Jemand wie Du oder ich, der sich mit Fahrrädern auskennt, macht unter Umständen ein gutes Geschäft, einfach weil er selbst die Räder zentrieren, die Schaltung nachstellen und vor und nach dem Winter die Naben mit einer dicken frischen Fettpackung versehen kann. Und er weiss beim ersten Draufsitzen, ob es passt oder nicht.

    Otto-Normalradler kann das nicht, regt sich dann beim Fachhändler auf, wenn dieser für die Fertigmontage 50€ verlangt und einen Monat später nochmal 15€ für das Einstellen der Schaltung und Nachziehen der Kurbel fällig werden. Und schlimmstenfalls fährt er jahrelang mit einem unpassenden Rad herum.

    Will sagen: Cutting Out The Man In The Middle klappt, wenn man dessen Aufgabe nicht braucht (Beratung, ggf. Tausch einzelner Teile wie Sattel oder Vorbau) bzw. dessen Arbeit (Endmontage, Erstinspektion) selbst erledigen kann. Muss man dann doch wieder Hilfe zukaufen, schrumpft der veremintliche Preisvorteil schnell deutlich.

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  3. Hallo ich bin Besitzer eines City Fahrrads ,gekauft bei Aldi Nord 2015.Das gute Stück musste bis jetzt 10 mal repariert werden.2 mal Hinterrad getauscht ,1 mal Vorderrad ,Tretlager usw. Im Mai 2016 hatten sich die Hinterradspeichen derartig gelockert,dass ein Benutzen nich mehr möglich war. Im Falle eines Garantiefalls meldet man den Bedarf bei Mifa an und ein Monteur kommt vorbei.Nach nur 8 Wochen und einer Mahnung per Fax meinerseits meldete sich der Monteur telefonisch.Falls er kommt ,habe ich die Kosten zu tragen.Das trotz 3 Jahresgarantie.Einigermassen baff,liess ich das gute Stück auf eigene Kosten hier vor Ort richten. Auf Anraten meines Anwalts nahm ich Kontakt zu Aldi auf. Anfangs verständnisvoll wurde mir mehrfach ein Austausch des Fahrrads verbindlich zugesichert.Jedoch die Stimmung kippte. Anrufe werden nicht entgegengenommen,bzw werden vereinbarte Rückrufe nicht getätigt.Sehr geehrte Damen und Herren von Aldi:Service sieht anders aus.
    Mit freundlichen Grüssen
    J.Schult Anklam

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  4. Hans Nagengast
    26. SEPTEMBER 2016 UM 16:17
    Wir haben uns die oben beschriebenen Alu-Trekkingräder in der Damenversion gekauft, sind über den Sommer bereits viele Kilometer gefahren und sind mit den Rädern (Fahreigenschaften und Handling) sehr zufrieden. Allerdings hat sich bei einem Hinterrad, im Bereich der Ritzel, ein Knacken eingestellt, das nur manchmal auftritt und nicht zu orten ist. Da es sich beim Schalten nicht bemerkbar macht,konnte auch die Werkstatt die Ursache nicht feststellen.
    Beim Vorführen knackte es natürlich nicht! Kann uns jemand einen Rat geben?


    Touri
    29. SEPTEMBER 2016 UM 21:58
    Dieses Knacken scheint alle Räder (Damen-&Herrenmodell) zu betreffen. Trotz Neuzusendung eines Hinterrades durch die Herstellerfirma Mifa bleibt das Knacken.(Die wollten nicht einmal die Rücksendung des defekten Laufrades!) Dieses Knacken hat seinen Ursprung in den qualitativ saumäßigen Lagern der Narben! Zum Teil sind die Achsen schon fabrikneu verbogen und das Lagerspiel saumäßig eingestellt (wenn man da überhaupt von Einstellung reden kann).Die einfachste Lösung dieses Problems ist:den nur schrottwerten Laufradsatz an denn Schrotthändler des Vertrauens zu verkaufen und einen Satz neue im Fahrrad handelt kaufen. Denn Mifa schickt diesen Dreck einfach noch einmal und wenn richtig schlecht läuft in noch schlechterer Montagequalität.

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  5. Hallo, ich habe vor drei jahren bei aldi nord ein pedelec gekauft. 499 statt 699 da konnte ich nicht wiederstehen.
    Bin jetzt 22000 km gefahren, ausser ein neues netzteil bisher ohne mängel. Netzteil wurde anstandslos ersetzt ( Garantie ).
    Natürlich ist alles etwas klapprig, aber für das geld kriegst du sonst nicht mal einen Umbausatz.
    Der akku ist trotz zeit und laufleistung immer noch ok, nur die reichweite ist weniger geworden.

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  6. Bei meinem "Aldi"-rad von 2004 von Fa. Fischer: "ALU Trecking Star" für 249€ konnte ich einen Mechaniker nach Hause kommen lassen, der spannte mir denn die Speichen nach und erledigte alle genannten Mängel.
    Das oben beschriebene Rad "Curtis" fand ich aber bei Besichtigung nicht so gut, da zu schwer.

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  7. Seit 6 Jahren fahre ich mit meinem Aldi Damenrad für 269 € Sommer und Winter zur Arbeit. Das Fahrrad steht immer draußen. Jetzt werde ich mir ein neues Aldi -Rad kaufen. Das ist eine gute Leistung für ein günstiges Rad.

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  8. Meine Frau und ich fahren seit mind. 5 Jahren diese billigen Cityräder von Curtis(249,-EUR).
    Anfangs waren ein paar Kleinigkeiten kaputt(Rücklicht, Reifen)
    die wurden anstandslos ausgetauscht.
    Ich musste das Hinterrad ausbauen, dank Internet ganz einfach auch für Hobbybastler.
    Was gibt es sonst noch zu meckern...
    "NICHTS"
    Wir sind sehr zufrieden und kaufen sicher unser erstes e-bike von Curtis.

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  9. Ich habe auch seit mehreren Jahren ein Curtis Rad (gekauft über ebay). Anfangs alles Tip top, seit zwei Jahren allerdings brechen regelmäßig Speichen aus dem Hinterrad, was meine Werkstatt hier jedes Mal für um die 20 € repariert. Bisher schon 4 oder 5 mal. Einmal war sogar irgendeine andere Scheibe gebrochen, sodass sich das Rad nicht mehr drehte. Sonst ein angenehm zu fahrendes Rad. Nur nervt dieses reparieren langsam, da ich es täglich benötige. Meine Werkstatt sagte er hätte vorher auch nie erlebt, dass beim einspeichen selbst weitere Speichen rausfliegen...
    Es ist für Alu leider auch recht schwer.
    Seit kurzer Zeit habe ich mir ein Mittelklasserad geleistet Pegasus Solero SL. Es fährt sich im Gegensatz zum Curtis sehr hart und die gefederte Sattelstütze ist "gewöhnungsbedürftig". Ansonsten sehr leichtläufig und gut verarbeitet. Vermutlich muss ich mich vom curtis comfort cycle etwas umgewöhnen...

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  10. Hier auch eine Geschädigte. Cyco-Trekkingrad aus 2015, Herrenversion mit 24gang Shimano Deore. Zum 2. Mal defekt (hintere Nabe/Lager) und der sogenannte Service ist keiner. Letztes Jahr hieß es nach wochenlanger Wartezeit, der einzige verfügbare Vor-Ort-Techniker der MiFa (Hersteller) habe gekündigt und mit ihm seien alle Daten der Reparaturaufträge verschwunden. Es wurde dann irgendwann tatsächlich das komplette Hinterrad samt Kassette getauscht.

    Dieses Jahr war wochenlang auf der Service-Hotline der MiFa nur die Bandansage zu erreichen und auf eine Beschwerde im Aldi kam dann die Info, dass die MiFa pleite sei und der Service künftig von Prophete geleistet würde. Warte nun seit 6 Wochen auf den versprochenen Vor-Ort-Service und werde nur vertröstet, bei Prophete weiß der eine nicht, was der andere macht. Nie wieder ein Aldi-, Baumarkt- oder sonstiges Billigfahrrad!

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