Sonntag, 6. September 2015

Akkubeleuchtung selber bauen: erhellende Momente



Es wird wieder dunkler draußen. Die Zeit ist reif für gutes Licht am Fahrrad. Aber: Seitenläufer, Nabendynamo, Anstecklichter - alles schön und gut, aber perfekte Fahrradbeleuchtung ist das alles nicht. Trotz Standlichfunktionen und anderer Errungenschaften bleibt das Fahrradlicht irgendwie eine ewige Baustelle. Das muss nicht sein. Moderne Akkuzellen bieten tolle Möglichkeiten, Fahrradleuchten samt Akku ideal am oder besser noch im Rahmen zu integrieren. So geht´s.

Man nehme: Fünf Akkus mit 1,2 Volt Spannung mit beliebiger Kapazität, am besten in der Industriegröße Sub-C, PVC-Rohr mit 25 Millimeter Durchmesser, zwei kleine Druckfedern, kleine Schrauben, Scheiben, zwei Laborbuchsen, Muttern sowie zwei Endkappen aus Messing oder Kunststoff, Rohrschellen, Dekofolie. Bis auf die Akkus und Buchsen ist alles im Baumarkt zu kriegen.
Zubehör für Do-It-Yourself-Akkupack: PVC-Rohr Federn, Buchsen, Schrauben, Muttern, Scheiben, Abschlusskappen, NiCd-Akkuzellen mit 1,2 Volt Spannung
Ich habe übrigens Metall-Hydrid-Akkus verwendet (gibt es bei Conrad), günstiger und auch gut sind Nickel-Cadmiun-Akkus. Möglich sein sollten auch Lithium-Ionen oder Lithium-Polymer-Akkus, die aber meist eine Nennspannung von 3,7 Volt haben und damit ungeeignet sind für den Bau einer Sechs-Volt-Stromversorgung.


Buchsen werden mit Federn verschraubt
Fertige Messing-Abdeckkappe mit
eingeschraubter Feder
Das Rohr auf die passende Länge der fünf Akkuzellen zusägen, zirka 3 bis 5 Millimeter Luft an jeder Seite lassen. Messing- oder Kunststoffkappen mit 4 Millimeter Bohrer durchbohren. Durch die Löcher je eine Laborbuchse stecken und auf der Innenseite mit den Druckfedern verschrauben.

Die Federn stellen später den Kontakt zu den Polen der Akkus her. Unter leichter Vorspannung ist so jederzeit eine gute Verbindung gewährleistet. Man kennt das ja von Taschenlampen.

Kappe mit Buchse von oben
Achtung: Soll das Akkupack im Rahmenrohr verschwinden, dann nur für die Masseseite eine Metallkappe (in meinem Fall Messing) verwenden. Für die Plus-Seite unbedingt eine Kunststoffkappe verbauen, sonst gibt's eine Kurzen und die Akkus sind ruiniert. Plastikkappen gibt´s bei den Eisenwarenabteilungen der Baumärkte als Schutz für Muttern. Ich habe das Akkurohr außen am Fahrrad angebracht und konnte darum zwei Messingkappen benutzen; die positive Seite darf auf keinen Fall Kontakt mit dem Rahmen bekommen.

Viel eleganter ist natürlich ein Verstecken im Rahmen. Fahrräder mit dicken Rohren sind dafür ideal. Das Akkurohr lässt sich entweder in der Sattelstange unterbringen, im Sattelrohr und bei Steck/Klapprädern auch im Unterrohr. 

Es ist mir ein Rätsel, dass die Hersteller die Rohre nicht schon lange als Akkukammern verwenden - schöner und unauffälliger geht es nicht.

Akkurohr mit Dekofolie
Zum Schluss noch etwas fürs Auge. Da mein "Akkurohr" sichtbar außen liegt habe ich das graue PVC-Rohr mit apfelgrüner Dekofix-Folie verkleidet - sieht schön öko aus. Anschließend habe das Akkupack mit zwei passenden Schellen am integrierten Gepäckträger meines Pump-Klappis befestigt. Gelbe Schaltlitze und 2,6 Millimeter Stecker aus dem Modellbahnbau stellen nun die Verbindung zu Vordre- und Rücklicht her: Minusseite direkt am Rahmen verschrauben, die Plusleitung habe ich über einen Kippschalter geführt und von dort an die beiden Lampen. Beim Einschalten dann ein Aha-Erlebnis. Vorn wie hinten wirft die Selbstbau-Beleuchtungsanlage ein helles gut sichtbare Licht in die Nacht.
Zubehör für 12-Volt-Strom-
versorgung
Das Erlebnis war so erhellend, dass ich gleich noch eine weitere Akkuanlage für ein weiteres Klapprad gebaut habe. Und natürlich wollte ich einen draufsetzen: Die Akkus sollen unsichtbar im Rahmen verschwinden und das Ganze zwölf Volt Spannung liefern. Das ist zwar eigentlich nicht erlaubt, bietet aber eine deutlich breitere Auswahl an Leuchtmitteln. Außerdem ist das Licht damit heller und stabiler.
Noch Beta-Version: Provisorische
Kappe von Getränkeflasche für Testlauf
Dazu habe ich zehn 1,2 Volt-Akkus in Reihe in ein PVC-Rohr geschoben, wie oben beschrieben an den Enden mit Federn und Kappen verklemmt und ins Unterrohr geschoben. Ganz wichtig ist die saubere und effektive Isolierung der Plusseite, sonst besteht Kurzschlussgefahr. Außerdem sollte das Akkurohr möglichst erschütterungsfest im Rahmen sitzen. Sitzt es zu locker am besten mit Schaumstoff abpolstern.

Weil ich so viel Energie zur Verfügung habe, finden gleich vier Scheinwerfer mit farbigen LED-Lämpchen vorne Anschluss - eine bunte Sache. Außerdem habe ich einen 12-Volt-Sirene als Alarmanlage in den Schaltkreis integriert.
Bislang habe ich die Beleuchtung einmal sechs Stunden am Stück betrieben; anschließend habe ich kaum Spannungsabfall festgestellt. Rechnerisch sollte sich eine Leuchtdauer von rund zwölf Stunden ergeben bevor die Akkus nachgeladen werden müssen.

Fürs Rücklicht bin ich bei 6 Volt geblieben. Die fünf Akkus habe ich im Sattelrohr untergebracht. Das ist möglich, weil mein Klappi ein besonders dickes Rohr mit 35 Millimeter hat.Das angeschlossene Rücklicht hat eine normale Glühlampe mit 2,2 Watt Leistung - auch hie ein schön helles, rotes Licht, natürlich mit Standlichtfunktion.

Kommentare:

  1. Guten Tag,
    du hast einen echt tollen Blog und ich schaue öfters bei dir vorbei. Ich habe mir ein neues Fahrradrücklicht gekauft, und ich fühle mich jetzt viel sicherer. Viele Grüße!

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  2. Hallo Alex! Danke fürs Kompliment. Über Fahrradbeleuchtung kann man natürlich Bücher schreiben... Viel Spaß beim Lesen und Radfahren

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