Dienstag, 30. September 2014

Cool oder cooler? Die Novelle vom trügerischen Gefühl

Ich sitze in einem brandneuen, knallroten Audi A3 und denke: Wie cool ist das denn? Sehr cool! Auf den Türen steht e-tron. Denn der Audi fährt elektrisch. Cool eben, sehr cool. Leute glotzen. Es sind Leute, die was von Autos verstehen. Sie finden Autos wie den e-tron cool. Sehr cool.

Am Fischmarkt veranstaltet Audi gerade Probefahrten mit dem e-tron. Es geht um die Zukunft, um den innovativen Autoantrieb. Plug-In-Hybrid heißt die Technik, die ihn an den Vorderrädern kraftvoll nach vorne zieht. In der Autoindustrie ist das gerade der letzte Schrei: sauber, schnell, leise, sparsam - cool. Noch cooler: Wenn die Batterie leer ist, wird der A3 e-tron wie ein Handy an der Steckdose aufgeladen. Sonst fährt er ganz normal mit einem Benzinmotor. Hybrid ist cool. Ein Steckdosen-Hybrid noch cooler.

Da sitze ich also in meinem roten Plug-In-A3-e-tron-High-Tech-Audi und fühle mich cool, fortschrittlich, avantgardistisch, als einen, der an die Zukunft denkt, an Kinder, an die Umwelt, an Ölvorräte und Krisen. Ich denke, wenn alle so denken, müssten wir nicht so viel nachdenken. Ich denke, zu wenige denken so wie ich denke. Darum grübeln wir über Rohstoffe, Kriege, Krankheiten.

Dann will ich an der Alster rechts abbiegen, setze den Blinker und muss warten, lange warten. Das Wetter ist gut. Eine lange Reihe Radfahrer fährt über die Strasse. Sie haben Vorfahrt. Ich warte. Noch einer, noch eine. Und noch einer. Jetzt aber. Nein, noch eine. Sie sitzt auf einem blauen Koga Miyata Rennrad, auf dem Rücken eine schwarze Tasche. Kein Helm. Ihr blondes Haar weht im Wind. Dann sieht sie den Audi, meinen Audi. Ein Lächeln weht über ihr Gesicht. Es ist ein überlegenes Lächeln. Oder ist es ein mitleidiges Lächeln? Meint sie mich? Oder das Auto? Ich denke: Wie cool ist das denn?

Von hinten hupt einer. Er hat es eilig. Wie alle. Die Rennradfrau ist längst verschwunden und von hinten hupt ein Hektiker: Wie uncool ist das denn?

Sonntag, 28. September 2014

Aus dem Fuhrpark: Das schlechteste Fahrrad der Welt

©Derek Baker for St-Pedali
Harry, Du musst jetzt ganz tapfer sein. Der Engländer Harry Bickerton hat Anfang der 70er Jahre ein sehr kompaktes Klapprad auf den Markt gebracht und für mich damit den größten Flop der Fahrrad-Geschichte. Und Achtung: Der Mann war Flugzeugingenieur. Da kann ich nur sagen, Schuster bleib bei deinen Leisten. Das Bickerton portabel ist zwar extrem leicht und kompakt faltbar, aber auch sehr instabil, wackelig, ja gefährlich.

Mittwoch, 17. September 2014

Rad geklaut: Wie kriege ich das gestohlene Tandem zurück?

In meinem Herzen kocht das Blut. Ich fühle mich wie Eddy Kante. Denn mein Rad ist weg. Mein kleines Klapprad-Tandem. Ein Rad, das ich sehr mag. Weil es ein Oldtimer aus den 70er-Jahren ist. Weg. Nicht mehr da. Verschwunden. Scheiße. Große Scheiße. Was tun? Polizei? Privatdetektiv? Selbstjustiz? Bürgerwehr?
Mein geklautes Tandem der Marke Drei Stern. Wer hat es gesehen?

Montag, 8. September 2014

Mann mit Sendungsbewusstsein: Helmut, der Radsport-Chronist

Helmut Niemeier in "seinem" HFS-Trikot
Er ist spät dran. Wie so oft. Wie eigentlich immer. Gerade auf den letzten Drücker schafft es Helmut zur Startlinie. Oder besser gesagt: darüber hinaus. Denn Helmuts Stammplatz ist nicht hinter, sondern vor der Startlinie. Da steht er mit seinem Fotoapparat in der rechten Hand und einer Kippe in der Linken und schießt die Radsportler ab, die jeden Moment über die Startlinie rollen werden. Das ist sie, die typische Szene in der man Helmut an einem typischen Sonntag bei den typischen Radsportveranstaltungen in Norddeutschland erleben kann.

Sonntag, 24. August 2014

Cyclassics mit dem Klapprad: Moulton and more


Hammer! Geil! Respekt! Wahnsinn! Toll! Schick! Wow! Gute Fahrt...! Noch nie bin ich bei den Cyclassics so oft gelobt und mit guten Wünschen bedacht worden. Das liegt aber nicht an mir, sondern an dem Fahrrad, das ich über die 100-Kilometer-Strecke gefahren bin.

Freitag, 22. August 2014

Lebenskünstlerin auf dem Lastenrad: Kurierfahrerin Steffi fährt Bullit

Peutestrasse am Abend. Brummi-Fahrer stellen ihre Lkw ab, machen sie fertig für die Nacht. Es riecht nach Diesel. Hier, zwischen Norderelbe, Hafenbecken und Aurubis-Kupferhütte ist Trucker-Revier. MAN, Actros, Scania - außer Zugmaschinen und Trailern ist auf der schnurgeraden Industriestraße nicht viel zu sehen. Dann kommt Steffi. Steffi fährt quasi auch einen Truck. Einen mit zwei Rädern und Muskelantrieb. Denn Steffi ist Kurierfahrerin bei Inline und sitzt auf einem Bullit - ein Einspur-Cargobike aus Aluminium mit großer Kiste vorm Lenker. Schon oft habe ich Steffi mit dem weißen Lastenrad in Hamburg gesehen. Nun haben wir haben uns kurz über ihren Job im Besonderen und das Leben im Allgemeinen unterhalten.

Dienstag, 19. August 2014

Meine Zeitung kommt per Klapprad

Mist, keine Zeitung im Briefkasten. So meine erste Reaktion als ich heute morgen weder SZ noch taz wie erwartet im Briefkasten vorfinde. Gleich mal deftig beim Abo-Service beschweren. Doch dann rollt plötzlich Karl-Heinz mit seinem 70er Jahre Klapprad vor die Tür. In den Satteltaschen hat er meine Zeitungen, die er normalerweise zwischen vier und sechs Uhr anliefert. Morgens in aller Frühe versteht sich. Heute geht es ihm nicht gut. Er hustet. Karl-Heinz wirkt angeschlagen. Sein Job ist hart und der Lohn niedrig, wie ich bei einem kurzen Klönschnack erfahre.